03 - On Interpretation
Fotografie wirkt manchmal wie eine objektive Erinnerung. Doch in Wahrheit ist sie immer eine Interpretation.
Zwei Fotografinnen können denselben Moment sehen, und dennoch völlig unterschiedliche Bilder davon machen. Die Wahl des Lichts, der Perspektive, des Augenblicks, in dem der Auslöser gedrückt wird: Alle diese Dinge formen die Geschichte, die erzählt wird.
Die Handschrift eines Fotografen zeigt sich genau darin. Nicht nur in Farben und Stil, sondern in der Art, wie der Moment gesehen wird. Und vor allem: was gesehen wird, und was nicht.
Manche Fotografen suchen nach den großen Gesten, dramatischen Bildern.
Andere sehen eher die unscheinbaren Momente, wo Nähe, Atmosphäre und kleine Übergänge wichtig sind.
Auch meine Fotografie ist eine solche Interpretation. Ich interessiere mich weniger für Inszenierung als für Stimmung. Weniger für Perfektion als für Echtheit. Für das Licht eines Ortes, für die Bewegung des Moments, für das, was zwischen zwei Menschen geschieht.
Vielleicht ist das der Grund, warum die Wahl eines Fotografen mehr ist als eine stilistische Entscheidung. Sie entscheidet auch darüber, wie eine Geschichte erinnert wird.